Wien – In den vergangenen zehn Jahren hat Wirtschaftskriminalität in Österreich deutlich zugenommen. Betrugsdelikte gemäß dem Bundeskriminalamt sind von 22.235 Fällen im Jahr 2015 auf 50.641 im Jahr 2024 angestiegen, was einem Anstieg von rund 128 Prozent entspricht.
Steigende Zahlen bei verschiedenen Delikten
Martin Geyer, ein Experte auf diesem Gebiet, berichtete, dass auch schwerer Betrug (§147 Strafgesetzbuch) von 4.656 auf 10.947 Fälle im gleichen Zeitraum gestiegen ist, was einer Zunahme von 135 Prozent entspricht. Veruntreuung hat sich fast verdoppelt, von 2.019 auf knapp 4.000 Fälle (+95 Prozent). Mildere Formen wie Untreue zeigen einen Zuwachs von 21 Prozent, während die Fälle betrügerischer Krida um 36 Prozent auf 305 gestiegen sind.
Folgen für Unternehmen
Geyer betonte die gravierenden Folgen dieser Kriminalität für betroffene Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt. Er erklärte, dass kriminelle Handlungen zu hohen Schäden führen und in Folge sogar zu Konkurse bei seriösen Firmen führen können. Diese Schäden wirken sich auch negativ auf die Allgemeinheit aus.
Aufwertungsgewinne als Hauptproblem
Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten Aufwertungsgewinnen, die durch Bewertungen von Vermögenswerten ohne tatsächliche Verkäufe entstehen. Geyer forderte eine strengere Handhabung der Ausschüttungssperre durch den Gesetzgeber, um solche Praktiken zu unterbinden.
Fallbeispiel eines Geschädigten
Henryk Sojka, Malermeister aus Wien, schilderte seine Erfahrung mit einem Immobilienunternehmer, bei dem er 300.000 Euro Rechnungen ausgestellt hatte, jedoch fast 120.000 Euro an Werklohn einbüßte. Dies brachte sein Familienunternehmen an den Rand des Ruins.
Prävention und Awareness
Walter Strobl, Präsident des österreichischen Inkassoverbands, empfahl, wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zu implementieren. Dazu gehören ein sauberes Forderungsmanagement und Bonitätsprüfungen. Er warnte zudem vor „Scheinfirmen“, die faire Marktbedingungen unterlaufen.
Handlungsbedarf erkannt
Um gegen gut organisierte Kriminelle anzugehen, fordert Geyer mehr Personal und schnellere Prüfungen durch die Aufsichtsbehörden. Nur so könne der aktuellen Herausforderungen im Bereich der Wirtschaftskriminalität begegnet werden.
Hintergrund
Wirtschaftskriminalität stellt für viele Länder, einschließlich Österreich, ein immer größeres ökonomisches Risiko dar und verursacht jährlich hohe Schäden, die weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben können.
Quelle: APA-OTS, Datum: 26. Jänner 2026
Autor: hml (hml@scripora.com)