Wissenschaftler der Stanford-Universität haben mithilfe modernster Röntgentechnologie die bislang älteste bekannte Karte des Nachthimmels freigelegt. Die Entdeckung gelang im Rahmen eines Forschungsprojekts am SLAC National Accelerator Laboratory in Kalifornien, bei dem ein mittelalterliches Manuskript durchleuchtet wurde.
Verborgene Schätze unter religiösem Text
Im Zentrum der Untersuchung steht der sogenannte Codex Climaci Rescriptus, ein Palimpsest aus dem Mittelalter. Dabei handelt es sich um ein Manuskript, dessen ursprünglicher Text abgeschabt und mit neuen Inhalten überschrieben wurde. In diesem Fall wurde eine griechische Sternenkarte aus der Antike durch eine syrische Übersetzung religiöser Schriften ersetzt. Die ursprünglichen astronomischen Notizen stammen laut Forschern vom griechischen Gelehrten Hipparchos, der im 2. Jahrhundert v. Chr. lebte und als Begründer der wissenschaftlichen Astronomie gilt.
Die Entdeckung wurde durch den Einsatz von Röntgenfluoreszenz möglich, einer Technik, die es erlaubt, chemische Elemente in verschiedenen Tintenarten zu unterscheiden. Während die mittelalterliche Tinte eisenhaltig ist, enthält die antike Tinte Kalzium. Durch gezielte Justierung des Röntgenstrahls konnten die Forscher die darunterliegenden griechischen Schriftzeichen sichtbar machen, ohne das Manuskript zu beschädigen.
Präzise Sternenkoordinaten aus der Antike
Bereits in den ersten Scans konnten die Forscher Begriffe wie „Wassermann“ sowie Beschreibungen heller Sterne identifizieren. Laut dem leitenden Wissenschaftler Victor Gysembergh sei dies ein bedeutender Schritt zur Rekonstruktion des verlorenen Sternenkatalogs von Hipparchos. Die Genauigkeit der Koordinaten sei bemerkenswert, insbesondere da sie mit bloßem Auge erfasst worden seien.
Die Entdeckung könnte auch eine langjährige Debatte in der Wissenschaftsgeschichte beenden. Historiker hatten vermutet, dass der römische Astronom Ptolemäus Teile seiner Himmelskarten von Hipparchos übernommen habe. Die neuen Funde zeigen jedoch, dass Ptolemäus zwar auf dessen Daten zurückgriff, aber auch andere Quellen nutzte – ein wissenschaftliches Vorgehen, das heutigen Standards entspricht.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und aufwendige Technik
Das Projekt vereint Fachleute aus Physik, Konservierung und Altphilologie. Die Seiten des Manuskripts wurden unter streng kontrollierten Bedingungen aus dem Museum of the Bible in Washington, D.C. nach Kalifornien gebracht. Während der Untersuchung wurden die Seiten in speziellen Halterungen fixiert und bei gedämpftem Licht gescannt, um Schäden zu vermeiden.
Die Röntgenstrahlen stammen aus einem Teilchenbeschleuniger, der Elektronen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit bringt. Diese erzeugen beim Ablenken durch Magnetfelder hochenergetische Strahlen, die das Pergament durchdringen. Jeder Strahl trifft nur für wenige Millisekunden auf eine Fläche von der Breite eines Haares, um die empfindlichen Materialien zu schonen.
Ein Fenster in die Ursprünge der Wissenschaft
Die nun freigelegten Texte sollen in einem nächsten Schritt von Altgriechisch-Experten übersetzt und analysiert werden. Ziel ist es, den vollständigen Sternenkatalog zu rekonstruieren und damit neue Erkenntnisse über die Anfänge der wissenschaftlichen Himmelsbeobachtung zu gewinnen.
Wie aus dem Projektteam hervorgeht, könnte die Methode künftig auch bei anderen historischen Dokumenten Anwendung finden. Die Hoffnung sei, dass weitere Institutionen ihre Bestände zur Verfügung stellen, um bislang verborgene Wissensschätze zu heben.
Die Entdeckung gilt als Meilenstein in der Verbindung von moderner Technologie und alter Wissenschaftsgeschichte – und als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie viel Wissen in den vergessenen Schichten der Vergangenheit noch verborgen liegt.
Veröffentlicht am 25.1.2026. Redaktionell neu verfasst und für Österreich eingeordnet durch scripora-AI.
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Basierend auf Informationen von: Originalartikel.
Autor: hml (hml@scripora.com)