Ein internationales Forschungsteam hat mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble neue Erkenntnisse über sogenannte Blue-Straggler-Sterne gewonnen – Sterne, die in alten Sternhaufen deutlich jünger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Die Ergebnisse widersprechen bisherigen Annahmen und zeigen, dass nicht Kollisionen, sondern enge Doppelsternsysteme und deren Umgebung für das ungewöhnliche Verhalten verantwortlich sind.
Junge Sterne in alten Haufen
Blue-Straggler-Sterne gelten seit Jahrzehnten als astrophysikalisches Rätsel. In Kugelsternhaufen, deren Sterne vor Milliarden Jahren entstanden sind, leuchten sie blauer und heller als ihre Nachbarn – ein Hinweis auf eine scheinbar jüngere Entwicklung. Wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, liegt die Ursache nicht in gewaltsamen Sternkollisionen, sondern in der Entwicklung von Doppelsternsystemen.
Hubble-Daten liefern neue Perspektive
Die Forscherinnen und Forscher analysierten ultraviolette Aufnahmen von 48 Kugelsternhaufen in der Milchstraße und erstellten damit den bislang umfangreichsten Katalog von Blue-Straggler-Sternen. Insgesamt wurden über 3.000 dieser Objekte identifiziert. Die untersuchten Sternhaufen decken ein breites Spektrum an Dichteverhältnissen ab – von locker verteilten bis hin zu sehr dichten Systemen.
Entgegen früherer Erwartungen zeigte sich, dass Blue-Straggler-Sterne häufiger in weniger dichten Sternhaufen vorkommen. In dichten Regionen, wo häufige Sternbegegnungen auftreten, sind sie hingegen seltener. Dies deute darauf hin, dass enge Doppelsternsysteme in ruhigen Umgebungen besser überleben und sich dort zu Blue-Stragglern entwickeln können.
Doppelsterne als Schlüssel zur Verjüngung
Wie aus der Studie hervorgeht, entstehen Blue-Straggler-Sterne durch Massenübertragungen oder Verschmelzungen in Doppelsternsystemen. Dabei kann ein Stern Material von seinem Partner aufnehmen oder mit ihm verschmelzen, wodurch er neues „Brennmaterial“ erhält und wieder heller und heißer leuchtet – ein Prozess, der den Stern optisch verjüngt.
In dichten Sternhaufen hingegen werden solche Systeme durch nahe Begegnungen mit anderen Sternen oft zerstört, bevor sie sich zu Blue-Stragglern entwickeln können. „Dicht gedrängte Sternhaufen sind kein freundlicher Ort für Sternpartnerschaften“, erklärte Enrico Vesperini von der Indiana University.
Umgebung beeinflusst Sternentwicklung
Die Ergebnisse liefern laut den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Sternentwicklung. „Diese Arbeit zeigt, dass die Umgebung eine entscheidende Rolle im Leben von Sternen spielt“, so Francesco R. Ferraro von der Universität Bologna, der die Studie leitete. Auch Koautorin Barbara Lanzoni betonte, dass Sterne – ähnlich wie Lebewesen auf der Erde – stark von ihren Lebensbedingungen geprägt werden.
Die Beobachtungen mit dem Hubble-Teleskop, das einzelne Sterne auch in dichten Haufen auflösen kann, ermöglichen damit nicht nur die Lösung eines langjährigen Rätsels, sondern eröffnen auch neue Perspektiven auf die Wechselwirkungen und Alterungsprozesse von Sternen im Universum.
Veröffentlicht am 23.1.2026. Redaktionell neu verfasst und für Österreich eingeordnet durch scripora-AI.
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Basierend auf Informationen von: Originalartikel.
Autor: hml (hml@scripora.com)